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Rapperswil-Jona: Das Bild der neuen Stadt

Wenn zwei Gemeinden entscheiden, sich zu vereinen, entsteht daraus eine neue politische Institution. Im Fall von Rapperswil-Jona entsteht dadurch auch eine neue Stadt. Aber, und das ist entscheidend, neben der neuen Institution Stadt entsteht auch ein Potenzial zur Innovation. Die Konstitution der neuen Stadt eröffnet Wege, alles zu überdenken, Veraltetes zu modernisieren, Gutes beizubehalten, Neues einzuführen und die Verwaltung zu rationalisieren. Was für die Stadtverwaltung als Ganzes zutrifft, das gilt auch für ihren Auftritt, das Erscheinungsbild. Der Aus-gangspunkt für die Entwicklungsarbeit ist die Untersuchung aller Dimensionen der neuen Stadt und insbesondere die Analyse der strategisch-inhaltlichen Faktoren.

Die Entwicklung des Erscheinungsbildes
Der Vereinigungsprozess hat seinen Ursprung in pragmatisch additivem Denken. Das drückt sich auch in der Namensgebung aus. Doch im weiteren Verlauf der vielfältigen Aktivitäten, welche die Vereinigung bewältigen musste, hat sich dieses Denken verändert und zur Überzeugung geführt, dass nicht das Additive im Vordergrund steht, sondern die Option, Neues und Innovatives zu schaffen, und das drückt sich im Grundsatz “wir bauen eine neue Stadt” aus.

Diese Überzeugung führte auch zum neuen Erscheinungsbild. Elemente wie Offenheit, Toleranz, Grosszügigkeit, Eigenständigkeit, Konsequenz, Qualität, Machbarkeit, Tradition, Vorstellungen, Ziele und Wünsche für die neue Stadt wurden formuliert.

Auf diesen Grundlagen aufbauend und in Verbindung mit klaren Zielsetzungen wurde die Entwicklung angegangen.

Die Zielsetzungen sind Folgende:

– Das Sichtbarmachen der Leistungen der Stadt
– Die Verwaltung transparent darstellen
– Die Vielfältigkeit und Zukunftsfähigkeit der Stadt kommunizieren
– Durch einfachen Systemansatz rationalisieren
– Die Präsenz der Institution Stadt auf dem Stadtgebiet markieren
– Durch aktive Kommunikation Goodwill, Sympathie, Freude und Stolz vermitteln

Öffentlichkeit und kommerzielles Umfeld
Eine wichtige Komponente im Entwicklungsprozess ist das Nachdenken über grundlegende Elemente eines öffentlichen Auftritts. Wenn wir das Umfeld anschauen, in dem sich die Botschaften einer Gemeinde oder Stadt behaupten, dann sehen wir sehr schnell, dass die kommerzielle Kommunikation den Alltag dominiert. Das heisst in der Konsequenz, dass sich die Stadt sicher nicht über Quantität durchsetzen kann, sondern nur durch Eigenständigkeit, Konsequenz und Qualität.

Für die Entwicklung des Erscheinungsbildes bedeutet das die Suche nach einer visuellen Sprache, die sich durch Eigenständigkeit, Angemessenheit und Klarheit vom kommerziellen Umfeld in der Kommunikation abhebt. Dieses Denken beinhaltet ebenso das Vermeiden von Techniken und Systemen, die allgemein in der kommerziellen Kommunikation eingesetzt werden. Das heisst beispielsweise, dass die Markenarchitektur (nächste Seite) nicht gewohnte Markentechnik (Marken, Dachmarken, Submarken usw.) widerspiegelt, sondern eine neue Klassifikation einführt, deren Ziel die transparente Darstellung aller Leistungen der öffentlichen Hand ist.

Das Stadtmonogramm für die Kennzeichnung
Ausgehend von der Tatsache, dass der Name Rapperswil-Jona in kommunikativer Hinsicht ein anspruchsvolles Element ist, war von Anfang an klar, dass diesem Namen ein starkes Kennzeichnungselement zugefügt werden muss, um die gewünschte Wirkung zu erzeugen. Das nun vorliegende Stadtmonogramm, das aus vielen möglichen Zeichen und schlussendlich aus fünf alternativen Szenarien ausgewählt wurde, entspricht diesen Kriterien. Das Monogramm* bildet eine Synthese der Komponenten Rapperswil und Jona, und daraus entsteht ein neues Ganzes, das sich durch Reduktion und Eigenständigkeit auszeichnet.

*Monogramm: “Künstlerisch ausgeführter Namenszug, in sich verschlungene oder nebeneinanderstehende Anfangsbuchstaben des Namens”, entlehnt (17. Jh.) aus spätlat. monogramma, monogrammum “(Namens)zeichen, das mehrere Buchstaben zu einer Einheit zusammenfasst”.

Die Markenarchitektur
Ein wichtiger Eckpfeiler des neuen Auftritts ist die Markenarchitektur. Als operatives Instrument zur Markensteuerung konzipiert, entspricht sie dem Grundsatz der Transparenz. Im Besonderen ist sie so angelegt, dass alle Leistungen der Stadt erfasst und kategorisiert werden und somit auch transparent sichtbar gemacht werden können. Die Markenarchitektur ist eine Form von Navigation, die jede Kategorie von Leistungen der öffentlichen Hand klar auszeichnet; es wird erkenntlich, ob eine Leistung direkt oder indirekt erbracht wird, welche Zusammenhänge organisatorisch vorliegen, und es wird die Qualität der entsprechenden Leistung deklariert.

Das Designsystem
Die vielfältigen Aufgaben und Leistungen einer Stadt mit den unterschiedlichsten Themen und Botschaften (von den Steuern zur Kultur, vom Strassenbau zur Bildung) brauchen Raum, um sich entsprechend auszudrücken. Das Erscheinungsbild ist als offenes System angelegt, das klare Regeln für die Kennzeichnung vorgibt, aber gleichzeitig einen grossen Spielraum für die Ausformulierung der einzelnen Botschaften zulässt. Wie eingangs erwähnt, ist das Erscheinungsbild die konsequente Umsetzung der inhaltlichen Vorgaben und somit der Ausdruck der Philosophie der neuen Institution. Um die Aspekte der Offenheit, Optimismus und die Ausrichtung auf die Zukunft darzustellen, wurden dreizehn Farben ausgewählt, die vielfältig eingesetzt werden können und die Farbigkeit von Rapperswil-Jona unterstreichen. Das verabschiedete Konzept bildet die Grundlage für die nun beginnende Umsetzungsphase. Der erste Schritt ist die Dokumentation des Designsystems, um der Stadtverwaltung ein operatives Werkzeug für die autonome Umsetzung zur Verfügung zu stellen. Parallel dazu werden verschiedene Pilotprojekte umgesetzt, und dadurch wird die gegebene Konzeption verfeinert und weiterentwickelt.

Gestern Abend wurde das neue Erscheinungsbild den Mitarbeitenden der Stadtverwaltung vorgestellt, und ab morgen werden am Seenachtsfest erste Zeichen des neuen Auftritts sichtbar werden. Danach, bis zum 1. Januar 2007, zum Geburtstag von Rapperswil-Jona, werden die unterschiedlichsten Projekte realisiert, um das neue Bild der Stadt Schritt für Schritt in die Realität umzusetzen und Rapperswil-Jona dadurch eine unverkennbares, eigenständiges und nachhaltiges Profil zu verleihen.

Zusammenarbeit mit dem Lenkungsausschuss von Rapperswil-Jona
Die Entwicklungsarbeit für das neue Erscheinungsbild wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Lenkungsausschuss Vereinigung Rapperswil-Jona durchgeführt. Der enge Zeitrahmen bedingte ein sehr diszipliniertes Vorgehen, und der ganze Prozess wurde in vierzehntägigen Präsentationen durchgeführt. Schritt für Schritt wurden mit dem Lenkungsausschuss die jeweils anstehenden Entscheidungen getroffen. Dank der ausgezeichneten Zusammenarbeit war es möglich, zwischen Ende März und Ende Juni eine Konzeption zu erarbeiten, die Anfang Juli dem neugewählten Stadtrat vorgestellt werden konnte. Der Stadtrat hat das neue Erscheinungsbild am 5. Juli 2006 gutgeheissen.

Source:
www.rapperswil.jona.ch
Rapperswil-Jona - Erscheinungsbild (Manual) [PDF]

Robert Salzmer, 13. Nov. 06