Wahlprogramm-Design - CheckUp 2005
Gleich zu Beginn: Diese Betrachtungen sind rein (typo)grafischer Natur. Ich habe die Programme der Parteien noch nicht gelesen, und bin auch unsicher, ob ich es machen werde. Warum, das sehen wir gleich!



CDU/CSU
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Note: 3–

Glücklicherweise haben die beiden Christlichen Parteien ein gemeinsames Programm erarbeitet, auch wenn Stoiber bekanntlich gerade einen fröhlichen Alleingang versucht.

Nach dem halbwegs professionellen, aber uninspirierten Titelblatt warten 40 Fließtextseiten im routinierten Öffentlichkeitsarbeiter-Layout auf den Leser. Unter dem fetzigen ursprünglichen Dateinamen »Microsoft Word – Entwurf Regierungsprogramm verabschiedet.doc« zeigt sich ein 564 KB schweres PDF, gesetzt in der recht hübschen Kievit (die lustigerweise eine gewisse Ähnlichkeit zur SPD-Schrift TheSans nicht verbergen kann), mit engagierten Auszeichnungen, die die Struktur verdeutlichen.

Das ist alles gehobenes Sekretariats-Niveau und generell ordentlich zu lesen, denn der Zeilenabstand im Fließtext ist gut gewählt. Leider neigt der Text zu Aufzählungen, bei denen die einzelnen Punkte über 20 Zeilen lang sind, und hier ist der Zeilenabstand dann viel zu gering. Das Ergebnis sind eine Handvoll recht chaotische Seiten mit zu vielen unterschiedlichen Schriftauszeichnungen, Zeilenabständen und Einrückungen.

Das Glossar am Ende leidet an vielen Stellen unter den fehlenden Führungslinien oder -punkten, die eine bessere Verbindung zwischen Stichwort und Seitenzahl schaffen könnten. Insgesamt ein Parteiprogramm, bei dem man zwar nicht konkret meckern kann, das aber trotzem uninspiriert und emotionslos wirkt.



FDP
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Note: 4–

Die FDP kommt gleich mit zwei Versionen ihres Wahlprogrammes daher. Eine kleine Broschüre mit den Kernaussagen und die 12‹‹-Version mit 55 dicht gedruckten DIN-A4-Seiten Fließtext. Die Kurzusammenfassung ist ein netter Service und wurde lobenswerterweise von einer Agentur gestaltet. Da es sich dabei jedoch eher um einen Flyer als um ein echtes Programm handelt, lasse ich das mal außen vor.

Die FDP schreibt als einzige Partei in der alten Rechtschreibung, was ich unerhört und lachhaft finde. Die Titelseite des Wahlprogramms ist in bewährter FDP-Optik gehalten und sieht wie ein Plakat aus: blaue Univers Helvetica condensed auf gelbem Fonds, Riesenlettern und eine professionelle Anmutung. Soweit, so gut. Doch bereits auf der zweiten Seite die große Ernüchterung: Wordwüste in Arial 12 Punkt, Blocksatz, 55 Seiten ohne Auflockerung, Arial bold als einzige Auszeichnung, Überschriften völlig ausgeflippt in Arial bold 14 Punkt, am Ende noch ein Glossar zur Stichwortsuche.

Trockener kann man seine Botschaft beim besten Willen nicht rüberbringen. Westerwelle und Co. hatten wohl Angst, erneut in die Spaßfalle zu tappen und möchten sich beim Aktenliebhaber Stoiber einschmeicheln. Dafür Daumen runter.



SPD
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Note: 2–

Die SPD hat gar kein Wahlprogramm. Sie nennen es Manifest. Und das Manifest startet mit recht guten Voraussetzungen: Äußerst handliches Format (10×15 cm), Doppelseitenlayout mit QuarkXPress (Jaja, immer noch besser als Word) und einer bewährten Hausschrift, die TheSans.

Machen sie was draus? Leider nicht. Das Inhaltsverzeichnis fängt noch recht übersichtlich an, doch bereits auf den ersten Seiten wird klar: Layout leider verhunzt! Der Zeilenabstand ist zu gering und alle Aufzählungen sind komplett in der Bold-Variante der TheSans gesetzt, was bei den sehr langen und zahlreichen Aufzählungen extrem grobschlächtig und übertrieben aussieht. Positiv anzumerken ist der linksbündige Flattersatz und die deutlichen Auszeichnungen von Überschriften und anderen Strukturierungselementen. Vielleicht einen Hauch zu deutlich: Das Manifest besitzt ein zu dick aufgetragenes Layout, das nicht elegant genug daherkommt, obwohl die Grundlagen durchaus vorhanden sind.
(…)

Source:
praegnanz.de

Robert Salzmer, 05. Sep. 05