Unbestechlicher Briefkopf, gestaltetes Verwalten
Schweizer Kreuz Die Bundesverwaltung kämpft entschlossen gegen ästhetische Verwilderung

von Simon Gemperli

Weisses Kreuz auf rotem Grund, «Schweizerische Eidgenossenschaft» (mit Übersetzung): So und nicht anders soll das Briefpapier von Bundesräten und -angestellten künftig aussehen. Die Lösung klingt einfach, und manch einer könnte behaupten, dazu brauche es keine Design-Experten oder Identitäts-Forscher. Weit gefehlt. Die «Interdepartementale Arbeitsgruppe Corporate Design Bund» (IDA CD Bund) hat den Auftrag des Bundesrats nicht auf die leichte Schulter genommen. Ein Jahr lang feilte sie an der richtigen Grösse des Schweizer Kreuzes und studierte Varianten für den viel zu grossen, weil viersprachigen Schriftzug. Die Finanzexperten der Gruppe berechneten, dass der Einheitsauftritt nur 25 Millionen kostet und langfristig sogar billiger ist als die kunterbunten Logos der Bundesämter. Diese zeugten übrigens von «geringer Staatsverbundenheit» und einer «Verwilderung des Staatsdesigns», hält ein externer Expertenbericht zuhanden der internen Arbeitsgruppe fest.
Ohnehin sollte man Design nie nach seinem Äusseren beurteilen. Wichtiger ist, was dahinter steckt. Im Schlussbericht von IDA CD Bund wird denn auch erklärt, wie vielschichtig das Schweizer Kreuz auf dem Musterbrief von Moritz Leuenberger zu deuten ist. Auf der «Persönlichkeitsebene» hält der Bund «die Augen in alle Richtungen offen und erkennt so den Handlungsbedarf». Die Eidgenossenschaft steht für die Werte «Qualität, Ausgewogenheit und Unbestechlichkeit» und fördert «Vertrauen, Sicherheit und Stolz» auf der emotionalen Ebene. «Wir gestalten das Verwalten», soll das Schweizer Wappen ausserdem ausdrücken.
Die Expertengruppe macht sich grosse Hoffnungen: «Die IDA CD Bund schlägt deshalb vor, dass die Einführung des neuen Corporate Design zum Anlass genommen wird, in der Bundesverwaltung auch einen Identitätsprozess in Angriff zu nehmen.» Um «jahrelange, fruchtlose Diskussionen um ästhetische und gestalterische Fragen zu vermeiden», soll eine Fachstelle in der Verwaltung die Umsetzung des neuen Bundes-Logos rigoros durchsetzen. Stichtag ist der 1. Januar 2005. Wer ab dann einen Brief aus Bern erhält, weiss genau, was das Logo bedeutet: «Wir repräsentieren die staatliche Hoheit.»

Source:
Oltner Tagblatt

Ordnung beim Staatsdesign
von Karin Burkhalter

Die Corporate Identity des Bundes existiert nicht mehr, nun muss eine Ordnung her: Inskünftig hat Bundesbern nur noch eine Identität.

Hilfe. La Suisse n'existe plus. Es steht schlimm um die Corporate Identity der Eidgenossenschaft. Dabei wissen wir längst: Der industrialisierte Mensch ist ohne Marken hilflos, orientierungslos. Nur Bundesbern hat das lange nicht kapiert. Kein Wunder. Weil ein Regierungsmitglied nicht mehr als ein gesichtsloses Etwas im Bundesrat ist, lebt es seine Individualität in seinem Departement aus. Da darf der Vorsteher, die Vorsteherin gegen aussen Persönlichkeit markieren. Wirkungsvoll - auf dem Korrespondenzweg. Und weil eben auch die Ämterchefs stolz auf das eigene Gärtchen sind, besteht Bundesbern heute aus 80 verschiedenen Identitäten. Nicht mehr lange.

Im Herbst 2003 wurde es dem Bundesrat zu bunt. Der Wildwuchs im Staatsdesign muss ein Ende nehmen, befand das Kollektiv. Ein einheitlicher Auftritt brauche das Land, das Schweizer Kreuz sei ein Muss.

Source:
Bielertagblatt

Robert Salzmer, 26. Aug. 04